Der
Wegweiser durch alle Epochen
Allgemeines
In der Entwicklungsgeschichte der Eisenbahn zeichnen sich
deutlich Epochen ab, die durch technische Merkmale und wechselnde
gesellschaftliche Strukturen gekennzeichnet sind. Die Epochen kommen sowohl im
Streckenbild – z.B. im Bau- und Signalwesen – als auch in der Bauart,
Farbgebung und Beschriftung der Fahrzeuge zum Ausdruck. Modellbahnanlagen
sollten sich daher hinsichtlich ihrer Thematik, der Ausstattung und des
eingesetzten Fahrzeugparks einer bestimmten Epoche zuordnen lassen.
Unterteilung
Bei den europäischen Eisenbahnen kann man aus Sicht des
Modelleisenbahners fünf Epochen unterscheiden (siehe NEM 800), die sich in der
Regel aber nicht scharf abgrenzen lassen. Vielmehr sind die Übergänge fließend
und auf Teilgebieten unterschiedlich. Zahlreiche zwischenzeitliche
Veränderungen im Erscheinungsbild der Eisenbahnen erfordern eine weiter
Unterteilung in Perioden. Diese lassen sich jedoch wegen der unterschiedlichen
Entwicklungen in den einzelnen Ländern nicht einheitlich festlegen.
Diese Norm beschreibt die Epochen- und Periodeneinteilung in
Deutschland.
Bezeichnung und Anwendung
Die Epochen werden nach NEM 800 mit römischen Ziffern
benannt. Die Perioden werden durch kleine Buchstaben gekennzeichnet, die der Epochenbezeichnung
hinzugefügt werden (Beispiel: „Epoche IV b“). Eine Epochenangabe ohne
Zusatzbuchstabe soll sich auf die durch einen Stern (*) gekennzeichnete Periode
beziehen. Sind Modelle einer anderen Periode zugeordnet, so ist stets der
Zusatzbuchstabe anzuwenden.
Zeittafeln
Die Charakteristika der Perioden sind nur stichwortartig
aufgeführt. Der Zeitpunkt des Eintritts bestimmter Ereignisse und Entwicklungen
sind nicht immer identisch mit dem Beginn einer Periode. Die wichtigsten
Veränderungen innerhalb der Epochen und Perioden wurden daher nach Sachgebieten
getrennt und in Zeittafeln detailliert aufgeschlüsselt. Diese Zeittafeln
erhalten auch Hinweise auf weiterführendes Schrifttum und können als Ergänzung
dieser Epochennorm gesondert bezogen werden.
Epoche I:
Länderbahn-Epoche 1835-1920
- Epoche des
Eisenbahnbaus von den Anfängen bis zur Vollendung eines zusammenhängenden
Streckennetzes.
- Entstehung großer
Staatsbahnnetze sowie zahlreicher Privatbahnen meist regionaler Bedeutung.
- Entwicklung der Dampflokomotive
bis zum Abschluss ihrer Grundform. Farbiges Erscheinungsbild von
Lokomotiven und Wagen.
Epoche I a 1835 – 1875
- Entstehung erster
Territorialeisenbahnen mit Privat- oder Staatsbahncharakter.
Weiterentwicklung des Streckenbaus bis zur Vollendung eines
zusammenhängenden Grundnetzes.
- Entwicklung
verschiedener Grundformen der Dampflok.
Epoche I b 1875 – 1895
- Entstehung von neun
großen Staatsbshahnnetzen in Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden,
Hessen, Mecklenburg, Oldenburg und Elsass-Lothringen.
- Ergänzung des
Streckennetzes. Erste Nebenbahnen (Sekundärbahnen) sowie Klein- und
Lokalbahnen (Tertiärbahnen). Erste Schmalspurbahnen.
- Entwicklung der
Dampflok mit Verbundwirkung und der Tenderlok.
- Erste preußische
Normalien im Fahrzeugbau.
- Anwendung der vier
Klassenfarben (gelb, grün, braun, grau) in Preußen. Einführung der
durchgehenden Druckluftbremse für Personenzüge.
Epoche I c 1895 – 1910 (*)
- Abschluss des
Netzausbaus.
- Neuorganisierung der
Staatsbahnen. Gemeinsame Verwaltung der preußisch-hessischen Staatsbahnen.
- Weitgehende
Vereinheitlichung im Eisenbahnwesen durch Bau- und Betriebsordungen,
Signalordungen, Fahrdienstvorschriften, Technische Einheit (TE).
- Entwicklung der
Heißdampflok. Erste Triebwagen mit Verbrennungsmotor und Speichertriebwagen.
- Einsatz vierachsiger
Schnellzugwagen.
Epoche I d 1910 – 1920
- Stagnation in der
Entwicklung durch den 1.Weltkrieg.
- Schwarzanstrich von
Lokomotivaufbauten in Preußen. Große Schnellzuglokomotiven erscheinen.
Erster elektrische Betrieb.
- Gründung der MITROPA.
- Personenwagen
einheitlich olivgrün.
- Entwicklung von
Güterwagen der Verbandsbauart.
- Freizügiger
Güterwagenaustausch (Deutscher Staatsbahnwagenverband).
- Einführung der
durchgehenden Druckluftbremse für Güterzüge.
Epoche II:
Reichsbahn-Epoche 1920 – 1950
- Übernahme der deutschen
Eisenbahnen durch das Reich.
- Entwicklung von
Einheitsbauarten für Lokomotiven und Wagen. Ausbau des elektrischen
Zugbetriebs und Weiterentwicklung der Triebwagen.
- Vereinheitlichung der
Bau- und Betriebsvorschriften sowie der Fahrzeuganstriche und –
Anschriften.
- Vielfalt im
Fahrzeugpark durch Fahrzeuge der Epoche I.
Epoche II a 1920 – 1925
- Übergang der
Staatsbahnen auf das Reich. Bildung von Reichsbahndirektionen.
- Erstes Typenprogramm
für Elloks.
- Erste Einheitspersonenwagen.
Personenwagen braun-grün.
- Einführung der
Austauschbauart für Güterwagen. Kennzeichnung der Güterwagen mit „Deutsche
Reichsbahn“ und Gattungsbezirk.
- Erleichterung des
Wagenübergangs infolge internationaler Übereinkommen (RIC, RIV).
Epoche II b 1925 – 1937 (*) 1)
- Periode der „Deutschen
Reichsbahn-Gesellschaft“ DRG.
- Auflösung der
Gruppenverwaltung Bayern.
- Umzeichnung der Dampf-
und Elloks, Entwicklung von Einheits-Dampfloks, erste Schnelltriebwagen.
- Umzeichnung der
Personenwagen (mit Modifikation 1930).
- Aufhebung der 4.
Wagenklasse, Einführung der Hülsenpuffer. MITROPA-Schlaf- und Speisewagen
bordeauxrot.
- Güterwagen auf
durchgehende Luftdruckbremse umgerüstet.
Epoche II c 1937 – 1950
- Eingliederung der
Eisenbahnen des Saarlandes und der Österreichischen Bundesbahnen.
- Änderung der
Signalordung.
- Anbringung des
Reichsadlers an Triebfahrzeugen und Personenwagen. Personenwagen
flaschengrün, geänderte Kennzeichnung.
- Entwicklung von
Kriegs-Lokomotiven, Behelfs-Personenwagen und Kriegs-Güterwagen.
- Nach Kriegsende
Entfernung der Reichsembleme an Fahrzeugen und Einrichtungen. Einstellung
des elektrischen Zugbetriebs im Bereich der sowjetischen Besatzungszone.
1) Zur
Unterscheidung von der DR der Epoche III und IV wird meist das Kürzel DRG für
die gesamte Epoche II verwendet.
Epoche III:
Frühe
Bundesbahn (D)- und Reichsbahn (DDR)
Epoche
1949 – 1970
- Voneinander
unabhängiger Aufbau und Modernisierung des Eisenbahnwesens in der
Bundesrepublik Deutschland (DB) und der Deutschen Demokratischen Republik
(DR).
- Phase des
Strukturwandels durch den Ausbau des Diesel- und elektrischen Zugbetriebs
und allmähliche Abnahme der Dampflok-Zugförderung.
- Entwicklung eines
modernen Fahrzeugparks und neuer Sicherheitstechnik.
Epoche III a 1949 – 1956
DB
- Umbenennung der Deutschen
Reichsbahn im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland in „Deutsche
Bundesbahn“.
- Erste Neubaudampfloks.
- Aufbau des „blauen
F-Zugnetzes“.
- Umzeichnung der Akku-
und Verbrennungstriebwagen.
- Dreiklassensystem im
Personenverkehr. Gründung der DSG. Einführung 26m langer Personenwagen.
- Bei Güterwagen Zusatz
der Bezeichnungszone zur DR-Kennzeichnung und neue DB-Kennzeichnung (neuer
Nummerplan)
DR
- Eigenständige
Verwaltung der Deutschen Reichsbahn im Gebiet der Deutschen Demokratischen
Republik. Verstaatlichung der Privatbahnen.
- Umbau der Dampfloks auf
Kohlenstaubfeuerung.
- Dreiklassensystem im
Personenverkehr. Großräumiger Einsatz von Doppelstockzügen.
- Bei Güterwagen Zusatz
der Besatzungszone zum DR-Kennzeichen und neue DR-Kennzeichnung (neuer
Nummernplan)
Epoche III b 1956 – 1970
DB
- Rückgang des
Dampflok-Einsatzes, Ausweitung des Diesel- und elektrischen Betriebes.
Neubekesselung von Dampfloks und Umbau auf Ölfeuerung. Serienbeschaffung
von Diesel- und Elloks. Aufnahme des TEE-Verkehrs.
- Neue Signalordung; Einführung
des Dreilicht-Spitzensignals.
- Zweiklassensystem im
Personenverkehr, 1.-Klasse-Kennzeichnungsstreifen. Personenwagen
chromdioxidgrün. Umbauprogramm für Nahverkehrswagen.
- Einführung des
DB-Zeichens.
DR
- Neubau und
Rekonstruktion von Dampfloks, Serienbau neuer Dampfloks. Serienbeschaffung
von Dieselloks. Wiederaufbau des elektrischen Streckennetzes.
- Neue Signalordnung;
Einführung des Dreilicht-Spitzensignals.
- Zweiklassensystem im
Personenverkehr, 1.-Klasse-Kennzeichnungsstreifen. Neue Personenwagen-Kennzeichnung.
Umbau von Personenwagen (Reko- und Modernisierungsprogramm).
- Einführung de
DR-Zeichens.
- Gründung des
OPW-Güterwagenverbands.
Epoche IV:
Späte Bundesbahn (D)- und Reichsbahn (DDR)
Epoche 1970 – 1990
- Weitgehender Abschluss
der Traktionsumstellung auf Diesel- und elektrischen Betrieb.
- Anwendung international
vereinbarter Fahrzeug-Kennzeichnungen.
- Neue Farbschemen beim
Fahrzeugpark.
Epoche IV a 1970 - 1980
DB
- Neues
Triebfahrzeug-Kennzeichnungssystem gemäß internationaler Vereinbarung.
- Aufbau eines
einklassigen Inter-City-Netzes.
- Neue Personen- und
Güterwagen-Kennzeichnung gemäß internationaler Vereinbarung.
- Personenwagen-Versuchsanstrich
„Pop-Farben“. Allmähliche Umstellung auf neues Farbkonzept für
Triebfahrzeuge und Personenwagen (beige/rot bzw. beige/türkis). Letzter
Einsatz von Lenkachs-Personenwagen.
DR
- Neues
Triebfahrzeug-Kennzeichnungssystem gemäß internationaler Vereinbarung.
Neues Farbkonzept für Triebfahrzeuge. Letzter Einsatz von Dampfloks mit
Ölhauptfeuerung.
- Neue Personen- und Güterwagen-Kennzeichnung
gemäß internationaler Vereinbarung.
- Bildung eines
Traditions-Fahrzeugparks.
Epoche IV b 1980-1990
DB
- Umstellung auf neues
Farbkonzept für Triebfahrzeuge und Personenwagen größtenteils
abgeschlossen.
- Inter-City-Züge mit
Wagenklassen.
- Modifizierte
internationale Güterwagen-Kennzeichnung.
DR
- Letzter Dampflokbetrieb
auf Regelspur.
- Neues Farbkonzept für
Personenwagen (rehbraun/beige)/grün). Städte-Express-Züge
(rehbraun/beige/orange). Letzter Einsatz von Lenkachsen-Personenwagen.
- Modifizierte
internationale Güterwagenkennzeichnung.
Epoche V:
Epoche der Deutschen Bahn AG ab
1990
- Zusammenarbeit beider
deutscher Staatsbahnen und Umwandlung in die Deutsche Bahn AG.
- Einführung des
ICE-Verkehrs.
- An Einsatzarten
orientiertes Farbkonzept beim Fahrzeugpark.
Epoche V a 1990-1994
- Zusammenarbeit und
erste Anpassungsmaßnahmen beider deutschen Bahnverwaltungen.
- Neues Farbkonzept der
DB für Lokomotiven (rot) und einsatzorientiert (vier Kennfarben) für
bestimmte Triebfahrzeuge sowie Personenwagen, teilweise bereits von
der DR übernommen.
- Anpassung des
Bezeichnungsschemas für Triebfahrzeuge der DR an das DB-Schema.
- Aufnahme des
ICE-Verkehrs. Erste Triebwagen mit Neigetechnik.
- Modifizierte
internationale Güterwagenkennzeichnung,
Epoche V b ab 1994 (*)
- Zusammenführung von DB
und DR in die „Deutsche Bahn AG“. Neues Firmenzeichen.
- Einheitliche Anwendung
des DB-Farbkonzeptes für Triebfahrzeuge und Personenwagen. Einführung
eines neuen Farbkonzepts (verkehrsrot) für Güterwagen.